Es geht um Tod und Leben
Der Tod ist ein gesellschaftliches Tabu. Gesprochen wird hierüber ungern, obwohl oder gerade weil es jeden von uns betrifft. Mit Sterben und Tod haben Menschen viel zu tun, die sich in der Hospizbewegung engagieren und die das leisten, was früher in Familien ganz normal gewesen sein soll: Sterbende auf ihrem Weg bis zum Tod zu begleiten. Ein bekannter Wahlspruch von Cicely Saunders, der Begründerin der modernen Hospizbewegung lautete: "Sie sind uns wichtig bis zum letzten Augenblick Ihres Lebens". Dies haben auch die Sterbebegleiterinnen des Ökumenischen Hospizdienstes Königswinter e.V. "Oelberg" für ihre ehrenamtliche Tätigkeit als Vorbild und Richtschnur genommen. Sie bemühen sich darum, Sterbende und ihre Angehörigen in der letzten Lebensphase in gewohnter Umgebung zu begleiten und zu einem würdevollen Lebensende beizutragen.
Zum nunmehr 5. Mal konnte ein Befähigungskurs des Hospizdienstes Königswinter zu einem erfolgreichen Abschluss geführt werden. Im April trafen sich die zehn Teilnehmer zum letzten Mal in dieser Kleingruppe. Seit Januar hatten sie sich mit den Referentinnen des ökumenischen Hospizdienstes regelmäßig getroffen, um sich auf einen Einsatz in der psychosozialen Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen und ihren Familien vorzubereiten. Der erste Samstag war dem gegenseitigen Kennenlernen anhand der eigenen Lebensbiographie und dem Thema "Wahrnehmen" gewidmet. In den folgenden Montagvormittagen waren Sterbephasen, Bedürfnisse Sterbender, Gesprächsführung, die Tätigkeit einfach "da zu sein", Loslassen im Leben, Trauer- und Traueraufgaben und vieles mehr Gegenstand der Treffen. Dabei war es der Koordinatorin Rita Schmitz wichtig, dass neben der Vermittlung von Theorie bei jedem Treffen auch eigenen Erlebnisse der Teilnehmer reflektiert wurden und Anteile von Selbsterfahrung vor kamen.
"Es ist wichtig für jeden Sterbebegleiter sich selbst gut zu kennen, damit dem sterbenden Menschen nichts aufgedrängt wird, was er im Grunde nicht möchte. Nur so können die Würde des Sterbenden respektiert und seine Wünsche beachtet werden."
Die Sterbephase kann so zu einer letzten Phase des Lebens werden und somit auch zu einer guten Phase. Wie viel Nähe wünscht der Sterbende oder wie viel Distanz soll gewahrt bleiben? In der wortlosen "Übung des Tröstens" wurde so auch deutlich, dass die Begleitung Sterbender sehr individuell ist und sehr unterschiedlich gestorben wird.
Der Befähigungskurs brachte die Teilnehmer untereinander näher und schaffte viel Vertrauen in der Gruppe.
Eine Teilnehmerin meinte zum Schluss: "Ich hätte nicht gedacht, dass der Befähigungskurs so viel mit mir selber zu tun hat."
Deshalb entscheiden Teilnehmer wie Koordinatorin nach dem Kurs zusammen über die weitere Mitarbeit. Meistens schließt sich eine Praktikumsphase an, in der die ehrenamtlichen Mitarbeiter Kontakt zu einer schwer erkrankten Person haben und zunächst mit einer bereits erfahrenen Mitarbeiterin in der Familie tätig sind. In monatlich stattfindenden Praxistreffen und regelmäßigen Gesprächen werden die neuen Hospizmitarbeiter von der Koordinatorin eng begleitet und in die praktische Arbeit eingeführt. Ein Vertiefungskurs im zweiten Halbjahr rundet die Vorbereitung auf die Sterbebegleitung im ökumenischen Hospizdienst Königswinter ab.
Der nächste Befähigungskurs wird voraussichtlich in 2011 stattfinden. Wer interessiert ist und Zeit mitbringt, kann schon in den kommenden Monaten mehr über diese sinnvolle und erfüllende Tätigkeit erfahren und einen Gesprächstermin unter der Telefonnummer: 02244-877 473 vereinbaren oder sich unter www.hospizdienst-koenigswinter.de informieren.