Spirituelle Bedürfnisse, nicht nur am Lebensende
Ein Abend ganz besonderer Prägung entwickelte sich in der Emmauskirche in Heisterbacherrott aus einer Notlage heraus. Eigentlich sollte der bekannte Theologe und Soziologe Dr. Wolfgang Picken aus Bad Godesberg an diesem Abend über "Spirituelle Bedürfnisse am Lebensende" referieren und diskutieren. Thema und Referent hatten auch viele angezogen, die Kirche war gut besetzt. Dr. Picken musste jedoch krankheitsbedingt kurzfristig absagen, und Pastorin Pia Haase-Leh und Pfarrer Burkhard Leh erklärten sich dankenswerterweise spontan bereit, das Thema zu übernehmen und den Abend zu gestalten.
Nach dem Hinweis, dass wir bei diesem Thema alle gleichermaßen als Experten anzusehen sind, entwickelte Burkhard Leh eine Fülle von Gedanken aus theologischer Sicht und praktischer Erfahrung. Jedes Sterben, vor allem das eigene, ist einem im Grunde fremd. Spiritualität kann dabei eine große Hilfe bedeuten, jedoch nur dann, wenn man daraus auch bereits in seinem bisherigen Leben hat Kraft schöpfen können. Wer beispielsweise seinen Weg bisher ohne Gebet gegangen ist, wird auch in dieser letzten Phase nicht darauf zurückgreifen können und wollen. So haben der Sterbende und der Sterbebegleiter eventuell unterschiedliche Bedürfnisse. Was ist zu tun, um ihnen gerecht zu werden, was wird benötigt an "Handwerkszeug", welche Rituale können jetzt helfen? Aus der Lebenserfahrung heraus beten die Menschen alleine oder gemeinsam, lassen sich salben, sie beichten oder reden über Dinge, die sie bewegen. Die Ehrlichkeit den Nächsten gegenüber, mit denen man sein bisheriges Leben geteilt hat, wird oft als hilfreich im letzten Lebensabschnitt erfahren. Die Wünsche des Sterbenden dabei zu respektieren heißt auch ihn loszulassen, ihn gehen zu lassen, nicht zu klammern und angemessen Abschied zu nehmen.
Dann gab es Gelegenheit für die Besucher, sich in kleinen Gruppen darüber auszutauschen, wie jeder "Spiritualität selbst erlebt". Es entwickelten sich dabei sehr rege und offene Gespräche, für manchen auch die Möglichkeit, über seine innersten Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen.
Der Abend endete mit Gebet und Segen durch Pfarrer Leh und einem gemeinsamen Vater Unser.